Vereinsausflug nach Flandern

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen …

Der Männerchor der Sängervereinigung Maikammer unternahm mit Angehörigen und Freunden vom 4. bis 8. September 2013 eine Reise nach Flandern. Die Reiseroute ging über Trier, Luxemburg, wo wir von den Ehepaaren Norbert und Rudi Scharfenberger auf einem Parkplatz ein exzellentes Frühstück serviert bekamen. Weiter ging die Reise nach Brüssel. Nur zwei Minuten später war der Bus bei der verabredeten Stelle eingetroffen. Luise, unsere resolute, sehr kompetente Führerin zeigte uns bei einem Spaziergang durch die Galeries Saint-Hubert, und die anschließende „Fressgasse“ das sehr beeindruckende Gebäudeensemble an der Grand’ Place mit ausführlichen Erläuterungen. Zu dem von Touristen umlagerten Brünnchen Manneken Pis sind es von dort nur wenige Meter. Anschließend war Freizeit angesagt, und man konnte sich die einstmals – vor den Hochhäusern – das Stadtbild beherrschende Kathedrale St. Michael anschauen, etwas essen und trinken und die herrliche Kulisse betrachten. Nach der Freizeit ging es weiter mit der Stadtrundfahrt. Vorbei am Atomium, dem Europaparlament, den neuen und alten Natogebäuden hinaus aus der Stadt Richtung Antwerpen.

Atomium

In Antwerpen bezogen wir das Hotel Leonardo, in direkter Nachbarschaft zum wohl schönsten Bahnhof der Welt. Am anderen Tag konnten wir, angefangen beim Bahnhof, die Höhepunkte Antwerpens zu Fuß und mit dem Bus erleben. Mit einem kurzen Spaziergang der Schelde entlang (in die Schelde fließt Meerwasser und sie hat Ebbe und Flut) ging es an der Burg vorbei und dem ehemaligen Zunfthaus der Metzger, dem „Fleischhaus“, den kurzen Weg zum Grote Markt, der zu den schönsten Plätzen des Landes gehört. Ihn umrahmen das Rathaus mit einer Frontlänge von 67 m, die Zunft und Gildehäuser mit zum Teil vergoldeten Figuren auf den Giebelspitzen aus der Barock- und Renaissancezeit. In enger Nachbarschaft steht die Liebfrauenkirche, die auf elegante Weise das Stadtbild beherrscht. Kaiser Karl V. hat einmal gesagt: „Dieses Denkmal ist ein Königreich wert, es verdient in einem Futteral verdeckt und dem Volk nur einmal im Jahr gezeigt zu werden.“

Nach der Siesta war noch eine ausführliche Stadtrundfahrt, anschließend konnte jeder nach seinen Wünschen verweilen, über die Fußgängerzone zum Hotel schlendern und sich für das Abendessen um die Ecke einstellen.

Am nächsten Morgen ging die Fahrt nach Brügge. Der Humanist und Professor zu Löwen Adrianus Barlandus (1486-1538) hat damals gesagt: Schön sind Gent, Antwerpen, Brüssel, Löwen und Mechelen, aber gegen Brügge sind sie nichts.“ Und das stimmt heute noch immer. Brügge hat seine alte Bausubstanz bewahrt, die alte reiche Handelsmetropole. Die Ruhepole der Stadt sind der Beginenhof mit den Anfängen etwa um 1230. Die heutigen Häuschen stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert (heute beleben wieder Schwestern des Benediktinerordens die Häuser), sowie das St. Janshospital. Dieses ist unter den Krankenhäusern Europas eines der ältesten. Hier sorgte eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern für Arme, Waisen Kranke und Pilger. Als der Orden sich im 16. Jh. auflöste, blieb das Hospital bis 1978 der Krankenpflege verpflichtet. Es kann noch mit einer historischen Apotheke aus dem 17./18 Jh. aufwarten. Heute beherbergt es ein Museum mit Werken u.a. von Hans Memling.

Ein mächtiger Akzent des Brügger Stadtbildes ist die Liebfrauenkirche. Sie beherbergt ein ganz besonderes Kunstwerk, die „Madonna mit dem Kind“ von Michelangelo Buonarotti aus weißem Carraramarmor. Weiter geht der Weg an Grachten vorbei zum Marktplatz. Da ist erst die Heiligblutkapelle zu erwähnen, der älteste Teil eines Ensembles. In ihr werden einige Tropfen vom Blut Christi verehrt. Unmittelbar schließen sich das Rathaus, aus den Anfängen von 1370 und 1420, und die Stadtkanzlei an. Im Gebäude des ehemaligen (bis 1984) Gerichtshofs befindet sich heute das Museum des Brügger Freiamts.

Der Samstag brachte uns in die Stadt Gent am Zusammenfluss von Leie und Schelde, die schon um 865 einen lebhaften Handel getrieben hat. Das Herzstück der Stadt ist die Kathedrale St. Bavo mit dem weltberühmten „Genter Altar“ von den Brüdern van Dycke, der in einem separaten Raum im Original zu bestaunen ist. Außerdem ist das Original-Gemälde von Peter Paul Rubens „Eintritt des hl. Bavo ins Kloster“ und die monumentale Kanzel aus Eichenholz und Marmor ein Augenschmaus. Am Platz steht noch der Belfried, auf dessen Spitze ein goldener Drache als Windfahne (Drache von Gent) sich dreht, und die umgebenden Tuchhallen sowie das Theater. Nur ein kurzer Weg ist es zur Graslei und Korenlei. Hier lag einst der Genter Hafen. Die schönen Zunfthäuser zu beiden Seiten zählen zu den größten touristischen Attraktionen Gents. Die Anziehungskraft verdanken diese beiden Straßen der Weltausstellung 1913; aus diesem Anlass wurde die Stadt herausgeputzt. Der Gravensteen ist einer der bedeutendsten romanischen Wehrbauten des Landes. Das Gebäude diente einst dem Rat von Flandern als Gerichtsort.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen zweistündigen Halt in der beschaulichen Stadt Mechelen. Das Wetter war schön, und wer schon gesättigt war von Kunst und Architektur, konnte bei Kaffe usw. die schönen Häuser betrachten. In der Kathedrale St. Rumold sind ein Gemälde von Anthonis van Dycke und die gewaltige Kanzel zu bestaunen. In die St. Johanneskirche lockt es die Besucher wegen des Original-Johannes-Triptichons von Rubens. In der Kirche „Unsere Liebe Frau jenseits von Dijle“ kann man den „Fischzug Petri“, ebenfalls von Rubens, im Original bestaunen.

Nun war es Sonntag morgen, und die Zeit unserer Abreise war da. Überpünktlich starteten wir in Antwerpen, aber nicht direkt nach Hause. Zum Abgewöhnen wurde noch der Stadt Löwen unsere Aufwartung gemacht. Löwen, eine reine Ausbildungsstadt mit ca. 96 000 Einwohnern plus 45 000 Studenten. Man kann hier alles studieren, nur nicht Tiermedizin.

Das Rathaus ist eines der schönsten spätgotischen Profanbauen überhaupt, mit ca. 300 Figuren an der Fassade ein Schmuckkästchen. Ihm gegenüber die 1410 begonnene Peterskirche. Der nahe gelegene Oudemarkt ist die gute Stube Löwens mit der längsten Theke der Welt. Auf dem langgezogenen Platz ist ein Kneipe neben der anderen. Man hat auf dem Platz der „Kottmadam“ ein modernes Denkmal gesetzt. Kottmadam nannte man die Damen, meist Witwen, die Studenten Zimmer vermieteten.

Zu erwähnen wäre der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende renovierte Beginenhof, in dem heute Studenten und Dozenten wohnen.

Nun war es an der Zeit, die Heimreise anzutreten. Wer noch etwas Wehmut im Herzen hatte, dem verging sie, als auf einem Parkplatz im Hunsrück die Reste vom Frühstück von der Hinfahrt mit Pfälzer Schorle genossen wurden. Nach fünf Biertagen war man der Meinung: Es geht doch nichts über einen guten Schoppen Pfälzer Schorle.

Zu erwähnen wäre noch, dass unsere jeweiligen Stadtführer, jeder nach seiner Art, interessante Schwerpunkte gesetzt haben. Ihr fundiertes Wissen war für jeden verständlich. Zum Schluss wurde noch unserem Busfahrer für seine sichere Fahrweise und Betreuung während der Reise gedankt. Ein Dankeschön ging auch an das Ehepaar Faul für die Planung und Organisation der Fahrt, sowie an die Ehepaare Scharfenberger für die Vorbereitungen zum Frühstück.

Reisebericht von Walheide Oeynhausen

Fotobuch der Reise (Auszug von über 120 Fotos!) :

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